
»Als der siebzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, weil ihn ein Dienstmädchen verführt und ein Kind von ihm bekommen hatte ... in den Hafen von Newyork einfuhr, erblickte er die ... Statue der Freiheitsgöttin wie in einem plötzlich stärker gewordenen Sonnenlicht. Ihr Arm mit dem Schwert ragte ... empor und um ihre Gestalt wehten die freien Lüfte.«
Doch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten erweist sich für den naiven Karl lediglich als unbegrenzt in seiner Gier und Ausbeutung und äußerst begrenzt in seiner Toleranz und Freigiebigkeit. Immer wieder wird Karls Gutgläubigkeit ausgenutzt werden, wird er seine Stellung ohne eigenes Verschulden verlieren und von der Polizei gejagt werden.
Auf seiner Odyssee durch die amerikanische Klassengesellschaft trifft Karl auf ein Panoptikum absurder Gestalten: ein rebellierender Heizer, ein reicher Onkel, ein kolossaler Millionär samt kampfeslustiger Tochter, zwei zwielichtige Tramps, eine mütterliche Köchin, eine monströse Diva und schlussendlich auf die Werbeengel des »großen Theaters von Oklahama«. Hier findet Karl endlich sein Plätzchen, denn im riesigen Naturtheater ist jeder willkommen! »Wer Künstler werden will melde sich! Wir sind das Teater, das jeden brauchen kann, jeden an seinem Ort!« Mit dem Naturtheater geht Karl auf Tour und seine Spur verliert sich, er wird zum Verschollenen ... »Am ersten Tag fuhren sie durch ein hohes Gebirge. Bläulichschwarze Steinmassen giengen in spitzen Keilen bis an den Zug heran, man beugte sich aus dem Fenster und ... beschrieb mit dem Finger die Richtung, in der sie sich verloren ...«
Theater Uhu verwandelt sich in Franz Kafkas »Naturtheater von Oklahoma« und zeigt als Spiel im Spiel die tragikomische Odyssee Karl Roßmanns durch ein turbokapitalistisches Absurdistan namens Amerika. Die Engel des Naturtheaters schlüpfen dabei in diverse Rollen und bedienen sich vielfältiger Genres. Auf diese Weise entsteht ein wahres Abnormitätenkabinett (wie weiland Barnums »American Museum«) in der Form eines Stummfilmtheaters mit Ton.
Bearbeitung & Regie: Volker Maria Engel
Dramaturgie & Ausstattung: Sandra Van Slooten
Licht: Florian Hoffmann
Assistenz: Vanessa Topf
Mit: Elsa Bleeck, Christiane Goepel, Karl Kempkens, Jochen Krampe, Petra Marx-Kloß, Marianne Nietzen, Monika Tapken, Marion Van Slooten, Bärbel Weinstock
Premiere: 6. Mai 2011, 20 Uhr
Theaterwerkstatt Brotfabrik Bonn